Herzlich Willkommen auf der Internetseite des FV Steinmauern 1926 e.V.
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Die Serie zum Jubiläum: 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V.

Der FV Steinmauern feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Jubiläum, unter anderem mit einer großen SWR3 Elchparty (hier Tickets bestellen) beim Sportfest vom 1. - 3. Juli. Bis dahin stellen wir hier in loser Folge verschiedene Beiträge zur FVS-Historie ein. Die Serie 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V. startete am 17. April. Freut Euch auf Interviews, Portraits und zahlreiche Anekdoten rund um den FVS!

Teil 9: "Derbysiege wünsche ich Steinmauern auch..."

Volker Unser / Foto: www.fv-plittersdorf.de

In Teil 9 geben wir noch einmal unserem langjährigen SG-Partner FV Plittersdorf das Wort. Dass die erfolgreiche Zusammenarbeit Früchte trägt, zeigte nicht zuletzt die A-Jugendmeisterschaft in diesem Jahr. Volker Unser, der Rieder Macher schlechthin, hat sich freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung gestellt. Die Fragen stellte Tiemen Glatt (Danke sehr!). Der dürfte seit Teil 2 übrigens bekannt sein...

 

Tiemen Glatt: Volker, du warst über 10 Jahre Spielausschussvorsitzender beim FVP und bist inzwischen 2. Vorstand. Woran denkt also ein waschechter „FVPler“, wenn der Name „FV Steinmauern“ fällt?

Volker Unser: Spontan denkt man sicher an enge, brisante aber meist sehr faire Derbys. Vielleicht denkt man auch an den legendären Spruch unseres ehemaligen Trainers Thomas Stupfel: „Für einen Sieg gegen Steinmauern laufen wir Barfuß bis Karlsruhe“. Und persönlich denke ich natürlich an die erfolgreiche Jugendarbeit in der Spielgemeinschaft.
 

Wie bewertest du diese jahrelange Zusammenarbeit?

Die SG hat zweifelsohne einiges bewirkt. Nimmt man einmal den dritten SG-Partner Ottersdorf dazu, haben drei Dörfer mit rund 9000 Einwohnern zwischenzeitlich mit einem Team in der Landes- und zweien in der Bezirksliga gespielt. Gerade in solchen Momenten war das Resultat der Jugendarbeit klar zu sehen und sicher ein Baustein des Erfolgs.

 

Um die Jahre in der Landesliga beneidet uns der Nachbarn vielleicht. Gibt es aber etwas, worum wir den FVS beneiden?

Sie haben weniger Hochwasser (lacht).


Das stimmt wohl!

Mal ernsthaft: Man kann sicher sagen, dass Steinmauern als Gemeinde floriert. Über kurz oder lang schlägt sich diese positive Entwicklung des Ortes auch auf den Fußballverein nieder. Personell und infrastrukturell ist da mehr möglich. Das zeigt ja schon der neue Kunstrasenplatz, der die ohnehin schon tolle Anlage an der Murg weiter aufwerten wird.
 

Trotzdem bleiben wir beide lieber im Ried. Was hat also der FVP, was Steinmauern eindeutig noch fehlt?

Also, was den Bierumsatz angeht, haben wir die Nase vorne. Was vielleicht daran liegt, dass wir traditionell etwas mehr Zuschauerzuspruch haben. Naja, und was Feste angeht, würde ich wohl auch eher das Binsenfeld vorziehen.  


Und aus sportlicher Sicht?

Wie sagt man so schön? Die Tabelle lügt nicht. Deshalb kann man aktuell sicher von „Augenhöhe“ sprechen. Mir persönlich wäre jedoch sportliche Augenhöhe in der Bezirksliga etwas lieber.


Sollten wir dem FVS also zum 90. Geburtstag den Aufstieg im nächsten Jahr wünschen?

Wünschen wir ihnen mal eine positive sportliche Entwicklung. Außerdem hoffe ich, dass die gemeinsame Jugendarbeit weiterhin so erfolgreich fortgesetzt wird und der Verein aus der Nachbarschaft noch lange bestehen bleibt.
 

Stimmt, schließlich wollen ja noch einige Derbysiege im Ried feiern.

Ach, Derbysiege wünsche ich Steinmauern auch – gegen Ötigheim halt.

 

* Das Interview wurde unzensiert wiedergegeben.

Teil 8: "Nicht selten haben die Lampen über der Theke gewackelt"

Herbert Wissler

fvsteinmauern.com: Hallo Herbert, der älteren Generation bist Du gut bekannt. Aber stell Dich doch kurz für die Jüngeren nochmal vor.

Herbert Wissler: Ich habe 1969 mit 21 Jahren angefangen, Fußball zu spielen, meist in der 2. Mannschaft. Als ich dann zur Bundeswehr kam, habe ich pausiert und bin erst wieder 1973 eingestiegen. Im vorletzten Spiel der Saison war dann auch schon wieder Endstation – ich zog mir einen Knochenbruch zu. Also wieder Zwangspause. Erst 1978 rannte ich erneut dem runden Leder hinterher, allerdings jetzt in der AH, das schließlich bis 2003. Von 1980 bis 1983 hatte ich die A-Jugendlichen als Trainer unter meinen Fittichen. Im letzten Jahr, 1983, sprang dabei die Meisterschaft heraus. Anschließend folgten noch zehn Jahre als erster Vorstand des Vereins (bis 1993).

 

Ziemlich viel Fußballstoff. Du kennst sicher viele Storys rund um den FVS – aber ist dir auch noch dein erstes Spiel in Erinnerung geblieben?

Natürlich! Das war 1969 in Michelbach mit der zweiten Mannschaft unter Trainer Manfred Schuster. Ich wurde als Verteidiger eingesetzt. Erst später hat man mich dann für die Mittelstürmerposition „umgeschult“.

 

Was waren die großen Momente während deiner aktiven FVS-Zeit?
Besonders an zwei Highlights kann ich mich spontan noch gut erinnern. Das war einerseits die Meisterschaft mit der zweiten Mannschaft im Jahre 1973 und andererseits unser Spiel bei der AH-Reise nach Kanada gegen eine internationale Mannschaft in Ottawa im Jahre 1995. Wir spielten gegen einen sehr robusten Gegner 2:2 und mir gelang der 1:0-Führungstreffer.

 

Auf welcher Position hast du dich am wohlsten gefühlt?

Wie schon erwähnt, spielte ich am liebsten Mittelstürmer.

 

Thema Clubhaus: Erzähl doch mal was vom Charme der „guten, alten Zeit“!

Früher saßen die Gäste länger und es wurde viel gesungen, gerade bei der Musik von Felix Grünbacher und Hans Bahl. Nicht selten haben die Lampen über der Theke gewackelt!

 

Wer war der beste Sänger in eurem Team?

Oh, wir hatten gleich mehrere! Ich erinnere mich dabei vor allem an Guido Schäfer, Josef Wessbecher und Manfred Schuster.

 

Und mit wem hast Du auf dem Sportplatz so zusammen gespielt?

Unter anderem waren dies Guido Schäfer, Gerhard Nold (Lindenstraße), Karlheinz Weßbecher, Arnold Kühn und Reinhard Kühn, um eine kleine Auswahl zu treffen.

 

Was hätte passieren müssen, damit du den FVS verlassen hättest?

Einen Vereinswechsel hätte ich mir niemals vorstellen können. Mein Name ist eigentlich fest mit dem FVS verbunden. Unter Fußballinteressierten bin ich als alteingesessener Steinmauerner bekannt und werde stets mit dem Verein in Verbindung gebracht. Diesbezüglich erfahre ich auch überall im Fußballbezirk eine gewisse Anerkennung.


Was war außer Fußball bei dir noch angesagt?

Sportlich war ich eigentlich recht vielseitig tätig. Noch heute spiele ich aktiv Tennis und gehe im Winter auch regelmäßig Skifahren. Als der Eisplatz früher noch bestand, habe ich auch sehr gerne Eishockey gespielt.

 

Zu guter Letzt: Was wünschst Du dem FVS für die Zukunft?

Es wäre schön, wenn die Verwaltung des FVS gut und vor allem vollständig aufgestellt bliebe. Außerdem hoffe ich, dass unsere Eigengewächse weiter die Zukunft des Vereins bestimmen werden. Und ein Abstieg in die Kreisliga B sollte natürlich auch nicht vorkommen. Auch eine bessere Zuschauerresonanz wäre zukünftig wünschenswert.

Teil 7: "Vor den alten Haudegen hatte man einen Heidenrespekt"

Marc Melzer, Anfang der 2000er

Der ältere der beiden Melzer-Brüder hat nun das Wort.

 

Marc Melzer (37) über…
 

…Uwe Melzer: Er war lauffreudiger und zweikampfstärker als ich.

 

… die Melzer-Flügelzange Anfang der 2000er: Die existierte leider nur kurz, weil ich 2002 zum Studieren nach Tübingen gegangen bin und danach nur noch unregelmäßig zum Einsatz kam.

 

… seine Anfänge beim FVS: Als ich mit Fußballspielen anfangen wollte, ging das erstmal nicht – der FVS hatte keine F- und E-Jugend. In der D-Jugend bildete sich schließlich eine Spielgemeinschaft mit Ötigheim. Meine ersten Trainer waren damals Raimund Schwarz und Frank Kambeitz.

 

… Gerold Unser: Er startete seine Trainerkarriere bei uns in der A-Jugend, zusammen mit Robert „Otti“ Toth. Das war eine tolle Zeit, wir hatten eine richtig gute Mannschaft.

 

… seine Anfänge bei den Herren im Jahr 1998: Das waren ziemlich düstere Kreisliga-B-Zeiten. Ich durfte als A-Jugendlicher bei der ,Ersten‘ debütieren. Bei meinem ersten Spiel auf dem Hartplatz der DJK Au habe ich keinen einzigen Zweikampf gewonnen, aber durch eine verunglückte Flanke gleich ein Tor geschossen. Der Trainer hieß damals Jürgen Herz.

 

… den „Respekt“ vor den älteren Spielern im Team: Wir hatten wenig junge Spieler in der Mannschaft, als ich aus der Jugend rauskam. Vor alten Haudegen wie Thomas Grünbacher oder Reinhold Peter hatte man einen Heidenrespekt. Marco Maracek z. B. habe ich im ersten Training bei den Senioren getunnelt; beim nächsten Zweikampf hat er mir eine mitgegeben und gesagt: Lass’ ja den Scheiß!

 

… den Aufstieg 2001/02 in die Kreisliga A: Eine tolle Truppe, in der sich die ,Alten‘ nochmal durchgequält haben, um endlich den Aufstieg zu schaffen. Herausragender Spieler war unser Spielmacher Besim Karaabo, vielleicht der Knackpunkt in dieser Kreisliga-B-Runde. In Erinnerung bleiben natürlich die beiden Aufstiegsspiele gegen Niederbühl, vor allem der 5:1-Heimsieg im Hinspiel. Als wir dann wieder in der Kreisliga A waren, lautete die Schlagzeile in der Zeitung nach dem ersten Spiel: „Steinmauern wieder auf dem Boden der Tatsachen“. Wir hatten 0:5 verloren.

 

… über das alte Clubhaus: Ein wirklich düsterer Schuppen, aber gemütlich. Das Rauchen war noch erlaubt und fast jeder Spieler machte davon Gebrauch. Am Ende jeder Sitzung ging eine dicke Rauchwolke hoch, weil sich jeder eine Kippe ansteckte. Eine Zeit lang durfte sogar noch während der Spielersitzung geraucht werden. Als das verboten wurde, gab’s eine kleine Revolte. Wir waren echt schockiert – heute undenkbar.

 

… Harald Eckhardt: Er war der Motivator schlechthin. Dass die ,Zweite‘ in der Kreisliga A immer den Klassenerhalt geschafft hat, ist größtenteils ihm zu verdanken.

 

… Matthias Frieböse: Er hat die Mannschaft taktisch und fußballerisch enorm weiter gebracht. Von seinen Ideen hat auch die „Zweite“ profitiert. Seine Akribie bei Details wie Ballannahme („ballferner Fuß!“) und Zweikampfführung („falsche Schulter!“) hat auch einem alten Spieler wie mir noch geholfen. Auf solche Dinge hatte mich 20 Jahre lang schlicht kein Trainer hingewiesen.
 

… die Rolle als Spielausschuss: Ganz ohne Fußball geht’s halt einfach nicht. Und für die „Zweite“ habe ich in dieser Runde ja auch schon einige Male die Kickstiefel geschnürt.

 

… die Alten Herren: In meinen fortgeschrittenen Alter bin ich ganz froh, den Sprung in die AH nun fast geschafft zu haben. Seit Peter Denzel das Ruder übernommen hat, geht da richtig was voran.

 

… seinen Wunsch für den FVS zum 90-Jährigen: Ich wünsche mir, dass der FVS auch in Zukunft ein familiärer Verein mit einer tollen Kameradschaft bleibt. Die Weichen für eine sportlich erfolgreiche Zukunft werden durch den Bau des Kunstrasenplatzes gestellt. Für die Realisierung müssen sich alle Mitglieder und Freunde des FVS einbringen, ich hoffe, das wird gemeinsam gelingen!

Die Aufsteiger der Saison 2001/2002. Vierter von links, kniend: Marc Melzer.

Teil 6: "Man nannte uns Schutt-Gerry und Schutt-Uwe"

„Wenn man aus beiden Melzers einen machen könnte, wäre das ein richtig guter Fußballer“, soll ein FVS-Trainer mal gesagt haben. Im sechsten und siebten Teil der Serie „90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V.“ kommen die Brüder Uwe Melzer (35) und Marc Melzer (37) zu Wort, die viele Trainer kommen und gehen sahen. Wir starten mit dem Jüngeren der Beiden.

Uwe Melzer

Uwe Melzer (35) über...

 

… Marc Melzer: Er war der technisch bessere Spieler und perfektionierte die Körpertäuschung. Man kannte sie zwar auswendig, wurde aber immer wieder aufs Neue ausgespielt.

 

… die Entscheidung Turn- oder Fußballverein: Generell wollte ich alles machen – außer Hausaufgaben. Turnen hat auch viel Spaß gemacht. Die Geselligkeit des Mannschaftssports hat aber letztlich den Ausschlag für den FV gegeben. Da konnte man zusammen einen Spezi-Humpen trinken, den gab’s beim Turnen nicht.

 

… seine FVS-Jugendzeit: Wir waren eine der erfolglosesten Jugendmannschaften überhaupt. Einmal Meister, ansonsten gab’s nur auf den Sack.

 

… Jugendtrainer Raimund Schwarz: „Einer von vielen Trainern mit Ecken und Kanten. Sein Lieblingsspruch, wenn mal wieder einige Bälle weit übers Tor geflogen sind, war: ,Sofort durchstarten‘!

 

… die B-Jugend-Spielgemeinschaft mit Elchesheim und Illingen: Wir hatten die hässlichsten Trikots im ganzen Bezirk, wahrscheinlich waren es sogar die hässlichsten, die es weltweit jemals gegeben hat. Man mischte das Rot-Weiß von Elchesheim mit den Illinger Farben Schwarz und Gelb. Eine furchtbare Kombi. Wenigstens hat man nicht noch das Blau-Weiß des FVS in dieses schreckliche Muster reingemixt. Sogar die Gegner haben uns wegen des Trikots ausgelacht. Leider völlig zu Recht!

 

… sein erstes Spiel bei der „Ersten“ in der Saison 98/99: Das war an einem Sonntag in Obertsrot. Dass ich von Beginn an ran durfte, erfuhr ich am Samstagabend. Wir saßen mit der Mannschaft in der Linde. Irgendwann rief mich Bernd Bollweber an die Theke und steckte mir, dass ich am nächsten Tag in der Startelf stehen würde. Der Trainer hieß allerdings Thomas Röder! Das Spiel verloren wir 1:3.
 

… diverse Trainer: Thomas Röder, unter dem ich debütierte, war ein echter Hitzkopf und trotzdem ein cooler Typ. In seinem Spielerpass klebte ein Partybild, im Hintergrund sah man Wunderkerzen.

Meine beste Zeit hatte ich unter Walter Stolz, dem Aufstiegscoach von 2001/2002. Er taufte mich „Iceman“, weil ich zusammen mit Marco Maracek ein erfolgreiches Sturmduo bildete. Deshalb rief auch Rifat Kolasinac an, der Trainer des SV Au. Er fragte, ob ich zum SV wechseln wolle, der damals richtig stark war. Für mich war aber klar, dass ich beim FVS bleibe.

Uwe Kleinschmidt degradierte mich zum Abwehrspieler und verbot mir, über die Mittellinie zu gehen. Dadurch habe ich die klassische Karriere vom Stürmer über den Mittelfeldmann bis hin zum Abwehrspieler durchlaufen. Eigentlich fehlt mir nur noch die Torhüterposition.

Bei „Struth“ Glatt kickte ich zwar nie. Aber es war bekannt, dass sich die „Zweite“ vor vielen Spielen vorher zum Schorle trinken traf. Eine witzige, aber auch erfolgreiche Zeit, wir feierten zwei Titel mit der Reserve.

Sehr motiviert, aber letztlich erfolglos agierte Jürgen Schubert, genannt „Schubitidse“. Als Spielertrainer grätschte er selbst über den Hartplatz mit zehn Metern Anlauf.

Harald Eckhardt, der mit der „Zweiten“ wirklich richtig gut zusammengearbeitet hat, verpasste mir den Spitznamen „Fossil“. Rund um Harald gibt’s so viele Anekdoten, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Das darf er demnächst selbst alles erzählen!
 

… Gerold Unser: Man nannte uns „Schutt-Gerry“ und „Schutt-Uwe“, weil wir ein halbes Jahr lang mit dem Abriss des alten Clubhauses beschäftigt waren und dabei Bob Dylan oder Tom Waits hörten. Mir hat man wohl keine anspruchsvollere Arbeit zugetraut. Dafür durfte ich den Durchbruch zwischen Bar und Küche vollziehen. Bei Gerold habe ich auch sportlich viel gelernt. Nur eines war sehr gefährlich: Bei ihm anzurufen, um für ein Training oder ein Spiel abzusagen. Selbst wenn dir ein Bein gefehlt hätte, hätte er dich gefragt, ob du nicht doch irgendwie spielen könntest.

 

… seinen Wechsel zu Frankonia Rastatt: Das habe ich am letzten Tag der Wechselfrist von Singapur aus entschieden. In Steinmauern war ich frustriert, weil ich in der „Ersten“ keine Chance mehr erhalten hatte. Dabei war ich so 28, 29 Jahre alt, also im besten Fußballeralter.

 

… den Grund mit 35 Jahren noch regelmäßig zu kicken: Weil’s immer noch sehr viel Spaß macht, sich jede Woche mit den Kumpels umzuziehen und Spiele zu gewinnen. Bernd Gramlich hält den Laden sehr gut zusammen. Zudem fühle ich mich topfit!

 

… seinen Wunsch für den FVS zum 90-Jährigen: Zum Jubiläum wünsche ich mir spannende Spiele, bei denen der Funke zwischen Mannschaft und Fans wieder mehr überspringt. Außerdem viele freiwillige Helfer beim Bau des Kunstrasenplatzes – wir sind darauf angewiesen! Und zuletzt: Eine krachende Party am 90er!

Eines der wohl modisch gewagtesten Trikots in den wilden 90ern trug auch Uwe Melzer (5. von rechts, stehend).

Teil 5: "Kanada war eine feine Sache"

In Teil 5 der Serie 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V. beginnt die Melzer-Trilogie. Zuerst stellen wir Heini Melzer vor, Vater von Marc und Uwe Melzer, die in den nächsten Teilen zu Wort kommen. Der "Illinger" Heini Melzer fand erst nach der aktiven Zeit zum FVS, kickte ab 1985 dort für die AH. Ein Portrait.

Heini Melzer, 1971

Heini Melzer und der FVS? Da schütteln viele Steinmauerner Fußballhistoriker erst einmal den Kopf. Und dann heißt es: Der Heini, das ist doch ein Illinger! Fußballerisch gesehen stimmt das, zumindest für die Zeit von 1967 bis 1982. Heini Melzer stürmte in diesen 15 Jahren als aktiver Kicker und Kapitän ausschließlich für den Nachbarverein FC Illingen. Nach Steinmauern verschlug ihn erst die Familie, ehe er 1985 bei den Alten Herren des FVS auch eine neue sportliche Heimat im Flößerdorf fand. Die Söhne Marc und Uwe kommen heute noch für die Blau-Weißen in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Sie werden demnächst Teil dieser Serie sein.

 

Heini Melzer begegnete der „Ersten“ des FVS nur als Gegner im schwarz-gelben Dress des FC Illingen. „In einem Jahr ging’s um den Auf- oder Abstieg für den FVS. Es ging gut zur Sache, wir gewannen schließlich mit 2:0. Besonders an die Zweikämpfe gegen Willi Kölmel erinnere ich mich noch gut. Das war am Anfang meiner ,Karriere‘, als junger Spieler war ich natürlich besonders ehrgeizig“, sagt Heini Melzer rückblickend. Mit seiner Kapitänszeit verbinden sie in Illingen noch heute erfolgreiche Bezirksliga- und Kreisliga-A-Zeiten. Auch deshalb hätten ihn die FC-Verantwortlichen nach seinem Karriereende 1982 gerne als Spielausschuss gesehen. Die Familie in Steinmauern hatte aber Priorität, und so ergab sich auch ein neues sportliches Zuhause. „Die AH-Zeit beim FVS war sportlich interessant, bleibt aber vor allem wegen der vielen Ausflüge in guter Erinnerung“, sagt Heini Melzer. 20 Mal logierte man für ein Wochenende auf einer Hütte im Schwarzwald, meist gut bekocht von Josef Weßbecher. 1995 unternahm die AH eine längere Reise nach Kanada. Übernachtet wurde unter anderem bei Rolf Wiepning, dem Sohn des FVS-Urgesteins Gerd Wiepning.

„Kanada war eine feine Sache, ich bin zum ersten Mal geflogen. Die Tour führte uns vom Olympia-Stützpunkt in Calgary aus nach Vancouver, Vancouver-Island, Ottawa, Toronto – und natürlich mit dem Bus durch die Rocky Mountains“, so Heini Melzer. Auch im sportlichen Bereich lief es gut, auf 18 bis 20 Spiele kam man pro Saison, zusätzlich trumpfte man bei verschiedenen Turnieren auf.
Als Jugendtrainer leitete Heini Melzer zusammen mit Manfred Gallion und Raimund Schwarz von 1990 bis 1992 die C-Jugend der SG Ötigheim/Steinmauern, in der unter anderem Sohn Marc, Michael Dittmar, Sven Becker, Nicolas Becker, Christian Bernhard, Martin Rudloff oder Michael Belly mitspielten. „Wir haben versucht, die Jungs bei Laune zu halten, das hat gut funktioniert“, findet Heini Melzer. So gut, dass es 1992 sogar zur Meisterschaft reichte!

 

Unter Trainer Gerold Unser betreute Heini Melzer in den 2000ern die 1. und 2. Mannschaft mit, und lieferte – in Zeiten, in denen im Internet noch nicht die Aufstellungen sämtlicher Teams präsentiert wurden – als „Spion“ auf anderen Sportplätzen wertvolle Infos über die FVS-Konkurrenz.
Ein Vereinsmensch ist Heini Melzer bis heute geblieben. Er ist nicht nur Mitglied beim FVS und beim FC Illingen, sondern auch beim Paddelclub, dem Angelsportverein und dem Illinger Musikverein. Dem Musikverein trat er bei, weil dieser auf seiner Busreise 1968 nach Berlin noch Plätze frei hatte und deswegen sechs Fußballer mitnahm. Heini Melzer, ausgestattet mit 85 D-Mark Taschengeld („ziemlich viel Geld für einen unter 25-Jährigen damals“), war einer der sechs Glücklichen – und erlebte so das geteilte Berlin in der Hochzeit des Kalten Krieges. „Die Ostzone war total grau und nicht schön anzuschauen. Von den Volkspolizisten wurden wir beim Grenzübertritt bis aufs Blut gefilzt, das war reine Schikane“, weiß der 66-Jährige zu berichten. Und: „In unserem Hotel im Westen gab’s nur Kartoffelgerichte!“


Im kulinarischen Bereich gaben die Fahrradausflüge in den letzten Jahren mit der sechsköpfigen „FVS-Radlertruppe“ um Heinz Weidenbacher, Guido Schäfer, Reinhard Kühn, Bruno Weidenbacher und Klaus Zielbauer schon etwas mehr her. „Beim Wiener Prater bekamen wir Kalbsschnitzel serviert, die größer als die Teller waren“, sagt Heini Melzer lachend. Nicht immer führte die Tour die Pedaleure in Metropolen wie Wien, oftmals radeln sie dem FVS zu seinen Auswärtsspielen hinterher. Selbst Ortschaften wie Forbach, Mösbach oder Sasbachwalden hat man schon für die Blau-Weißen abgefahren. Immer mit dabei: Heini Melzer. Aus dem FC-Illingen-Sympathisanten ist eben ein mindestens genauso großer FVS-Sympathisant geworden!

Die 95er AH des FVS. Zweiter von rechts, sitzend: Heini Melzer.

Teil 4: "Ein Wechsel kam für mich nie in Frage"

Werner Grünbacher

In Teil 4 der Serie 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V. haben wir mit Werner Grünbacher gesprochen, einem der Bezirkspokalsieger aus der Elf von 1979. Der laufstarke Mittelfeldspieler kickte ausschließlich für den FVS. 

 

fvsteinmauern.com: Hallo Werner, was verbindet dich mit dem FVS?

Werner Grünbacher: Ich bin Jahrgang 1955 und war zuerst im Turnverein. Von 1967 bis 1970 habe ich dann in der Jugend Fußball gespielt, zuletzt als 15-Jähriger in der A-Jugend. Danach habe ich pausiert und erst wieder 1976 angefangen zu kicken. Zuerst in der 2. Mannschaft, anschließend in der 1. Mannschaft. 1985 musste ich dann meine Karriere verletzungsbedingt beenden. In den neunziger Jahren war ich auch für fünf Jahre im Spielausschuss.

 

Welchen Moment wirst du nie vergessen?

Mein sportliches Highlight war der Bezirkspokalsieg 1979. Als A-Ligist schlugen wir damals den höherklassigen Bezirksligisten FC Gernsbach mit 4:2! Ich war als Mittelfeldspieler mit an Bord.

 

Auf welcher Position hast du dich am wohlsten gefühlt?

Ganz klar im Mittelfeld! Dort habe ich am liebsten den gegnerischen Spielmacher beackert, denn meine Stärken lagen im läuferischen Bereich.

 

Welche Erinnerungen hast Du an das alte Clubhaus?

Wir hatten einen tollen Zusammenhalt und blieben oft im alten Clubhaus bis spät in die Nacht hängen. Gerade nach den Heimspielen versammelten wir uns dort, um zur Musik von Felix Grünbacher und Hans Bahl ein Lied nach dem nächsten zu singen. Nach Auswärtsspielen kehrten wir zum Abschluss immer in das Gasthaus Krone ein.

 

Wer hat mit Dir beim FVS zusammengespielt?

Aus meinem gleichen Jahrgang (1955) spielte niemand in der ersten Mannschaft. Anfangs waren beispielsweise Gerhard Nold (Lindenstraße), Otto Fettig (Spichstraße) und Lothar Jung meine Mitspieler. Später war ich dann vier Jahre Spielführer der ersten Mannschaft. Da spielte ich dann u.a. mit Thomas Klippstein, Stefan Hörig, Claus Wissler oder Thomas Grünbacher sr. zusammen. Es haben sich viele Freundschaften ergeben. So sind seit meiner aktiven FVS-Zeit meine Frau und ich noch mit drei Paaren sehr gut befreundet, wobei sich die Frauen sogar wöchentlich treffen.

 

Hattest du auch mal Angebote von anderen Vereinen?

Ja, es gab Angebote, doch ein Wechsel kam für mich nie in Frage!

 

Was war außer Fußball bei dir noch angesagt?

Nachdem ich anfänglich noch beim Turnverein aktiv war, konzentrierte ich mich später voll und ganz auf den Fußball. Erst nach meiner aktiven Zeit verschrieb ich mich dann 13 Jahre lang dem Tennis.

 

Was wünschst du dem FVS für die Zukunft?

Es ist sehr schön, dass der FVS einen Kunstrasenplatz erhält. Vor allem der Jugend wünsche ich damit einhergehend bessere Zukunftsperspektiven im Fußball. Ein aktuelles Problem ist im Vergleich zu früher natürlich die Schichtarbeit vieler Spieler sowie das Studium, was viel Flexibilität erfordert. Ich hoffe, beim FVS macht man das Beste aus den Bedingungen!

1979 holt der FVS den ersten von zwei Titeln im Bezirkspokal.

Teil 3: "Dem hätte ich gerne einen Arschtritt verpasst"

Oliver Gilpert, 2008

Für Teil 3 der Serie 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V. haben wir den letzten Meistertrainer des FV Steinmauern interviewt: Oliver Gilpert. Mit dem heute 41-Jährigen unterhielten wir uns über seine dreijährige Trainertätigkeit beim FVS, an deren Ende der Aufstieg 2010 in die Bezirksliga stand.

 

fvsteinmauern.com: Hallo Oli, du bist der letzte Meistertrainer des FVS. Verrate doch mal, welches Rezept es in Steinmauern braucht, um es soweit zu bringen.
Oliver Gilpert: Im Endeffekt hat uns in der Saison 2009/2010 vor allem der Zusammenhalt so stark gemacht, dazu drei sehr gute Jahrgänge aus der eigenen Jugend. Außerdem stieß mit Matthias Frieböse vor der Runde ein Spieler hinzu, der Erfahrung mitbrachte und viele Tore geschossen hat.

 

Das klingt nach einem einfachen Rezept.

Den Trainingsfleiß muss ich noch hervorheben! Ohne die nötige Fitness hätten wir die Meisterschaft nicht erreicht.

 

Was hat einen gestandenen Verbands- bzw. Landesligaspieler wie Dich 2007 eigentlich vom 1. SV Mörsch zu einem Kreisliga-A-Verein wie Steinmauern gelockt?
Rolf Jung! Er kam damals auf mich zu und fragte, ob ich mir denn ein Engagement beim FVS vorstellen könne. Da ich schon 32 Jahre alt war, wollte ich sowieso etwas kürzer treten. Und der FVS bot eine gute Perspektive. So ging’s für mich ab der Saison 2007/2008 als Spielertrainer weiter.

 

Wurden die Erwartungen im ersten Jahr gleich erfüllt?
Die Anfangszeit würde ich als Findungsphase zwischen Mannschaft und Trainer beschreiben, da hat noch nicht alles gepasst. Erschwerend kam hinzu, dass ich wegen einer Lungenentzündung länger ausgefallen bin.

 

Auch in deinem zweiten Jahr wurde es nichts mit dem erhofften Aufstieg.
Eine verrückte Runde! Wir gewannen fünf Spiele am Stück, dann gab’s wieder fünf Pleiten hintereinander, eine echte Berg- und Talfahrt. Eigentlich unerklärlich, obwohl wir viel über die Gründe diskutiert haben.

 

Die interne Saisonabschlussfeier war dennoch ein rauschendes Fest – bei Dir zuhause. Wie hat deine Frau am nächsten Morgen reagiert?
Die war – wie man sich gut vorstellen kann – nicht so begeistert. Tobi Hirn und Peter Ptak haben sich oberkörperfrei „gebattelt“, unser Fernseher ging fast zu Bruch, in den Wänden fanden sich am nächsten Tag Löcher, und die Bänke blieben auch nicht heil. Für meine Frau stand fest, dass dies die letzte Abschlussfeier bei uns sein würde. (lacht)

 

Zurück zum Sportlichen: An welche Spiele aus deiner FVS-Zeit erinnerst du dich noch besonders gut?
Da fallen mir drei Partien ein. Ein 0:5 im zweiten Jahr bei der DJK Rastatt, was durchaus fast ernstere Konsequenzen für mich nach sich gezogen hätte. Positiv sind mir die Siege (jeweils 2:0) in Loffenau und zuhause gegen Ötigheim in Erinnerung geblieben. In Loffenau haben wir unseren härtesten Verfolger abgeschüttelt. Und gegen Ötigheim den entscheidenden Schritt zum Titel gemacht, wobei ich das 1:0 erzielte. Das war ein richtiges Derby mit viel Kampf, was uns vielleicht den letzten Kick gab, den jeder gebraucht hat. Man merkte: Zwischen den Vereinen kribbelt’s. Umso heftiger wurde nach dem Sieg gefeiert, unter anderem mit einem Ortsschild aus Ötigheim!


Gab’s noch weitere tolle oder kuriose Momente?
Dass sich die „Wrestler-Fans“ beim FVS durchgesetzt haben, fand ich etwas verwunderlich. Wenn Tobi Hirn oder Volker Pillo in Aktion waren, hatte ich manchmal wirklich Angst, dass was passiert.

 

Was hat dich am meisten irritiert?
Ich würde sagen: Uwe Kleinschmidt. Er hat mich aber auch am meisten gefördert. Allerdings war es anfangs lästig, immer zum „Rapport“ zu müssen, um das Spiel durchzudiskutieren. Später lernte ich das dann zu schätzen, weil Uwe ein Mann mit Fußballverstand ist. Dieser „verlängerte Arm“ war mir wichtig. Bei meiner späteren Station in Bietigheim hat mir das etwas gefehlt.

 

Zurzeit pausierst Du. Wann sieht man Dich das nächste Mal in einer Trainerposition?
Aktuell hat die Familie Vorrang – und so ein freies Wochenende hat ja auch Vorzüge. Wenn die Kids größer sind, steige ich vielleicht wieder ein.


Wobei Du den Absprung vom Fußball so richtig sowieso nicht geschafft hast…
Stimmt! Als Stützpunkttrainer leite ich in Ötigheim das Training der 11- bis 15-Jährigen. Eine schöne Aufgabe, weil die Jungs kicken können und es auch wollen. Die Motivation ist in dem Bereich noch sehr hoch.

 

Wie zu deiner besten Zeit beim FVS, oder?
Zumindest war der Wille immer erkennbar. Ich kann mich an ein Training erinnern, das zur Faschingszeit stattfand. Fast alle Spieler waren anwesend, obwohl viele einen Tag vorher gefeiert hatten. Entsprechend waren einige nur körperlich anwesend, trotzdem haben alle versucht, durchzuziehen.

 

Mit einigem Abstand kannst du sicher auch verraten, wer denn dein Lieblingsspieler war – und wer heute noch ein Straftraining verdient hätte.
Hmmm… Da muss ich auf jeden Fall Corç Yasmin nennen. Anfangs hatte er etwas Anlaufschwierigkeiten, später zeigte er sein Können aber richtig und bestätigte das mit vielen Toren. David Joram würde ich gerne nochmal trainieren. Mit seinem Kopfball- und Aufbauspiel sowie der Zweikampfstärke wäre sicher noch mehr möglich gewesen, auch in höheren Ligen. Tja, und ein Straftraining… da fällt mir eigentlich nur einer ein: Igor Capurelovic!

 

Warum das?
(lacht) Der war ein fauler Sack auf dem Sportplatz! Er hat nur ein Minimum seines Potenzials aufgerufen und sich in den härteren Einheiten gerne verdrückt. Trotzdem war das natürlich ein richtig guter Mann – dem ich manchmal gerne einen Arschtritt verpasst hätte.

 

Verfolgst du deine ehemaligen Spieler noch?
Wenn einer ein Abschiedsspiel hat, komme ich gerne vorbei, sofern ich das vorher erfahre. Ansonsten verfolge ich vor allem meine ehemaligen Vereine, klar. Spätestens montags schaue ich in der Zeitung nach, wie der FVS gespielt hat.

 

Und was wünschst Du dem FV Steinmauern zum 90-jährigen Jubiläum?
Dass der FVS weiterhin auf die eigene Jugend setzen kann und mit der immer wieder in der Lage ist, etwas Neues aufzubauen; verbunden mit einem festen Platz der 1. Mannschaft in der Bezirksliga!

Saison 2007/2008: Die 1. Mannschaft, erstmals trainiert von Oliver Gilpert (Dritter von rechts, stehend).

Teil 2: Grüße aus der Nachbarschaft

Tiemen Glatt

In Teil 2 der Serie 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V. hat der Plittersdorfer Stadionsprecher und Fußballphilosoph Tiemen Glatt das Wort. Für die Rieder „Erste“ hütete er schon das Landesliga-Tor, in der Jugend stand er für das A- und B-Jugend-Verbandsstaffel-Team der SG Steinmauern/Plittersdorf ebenfalls im Kasten. Auf beiden Seiten der Murg ist er also wohlbekannt, weshalb er dem FVS zum 90-Jährigen ein paar Zeilen gewidmet hat.

 

 

 

Von Tiemen Glatt
 

Dem „geliebten“ Nachbar zum 90.

 

„Hinter der Murg kauft man keine Kuh“,

ruft man im Ried schon Kindern zu,

So lernt man - und das schon ganz klein -

lass dich nicht mit Steinmauern ein.

 

Die Haltung wird multipliziert,

wenn man aufs Fußballfeld marschiert.

Aus dem altbekannten Freundeskreis

wird dort der Feind in Blau und Weiß.

 

Schnell wird an großen Derbytagen

aus Kämpfen mal ein „Bein abnagen“,

aus Sprints ein „Lauf ums Überleben“,

aus Grätschen ein „dazwischen Fegen“,

aus Befreiungsschlägen „Heldentaten“,

aus Ballaufnahmen „Glanzparaden“,

aus Torschüssen „weltklasse Chancen“.

Wer denkt beim Derby an Nuancen? 

 

Und während an den Derbytagen

Spieler nach den Bällen jagen,

kämpft außen an der Barriere

die Herrenriege um die Ehre.

Scheint das Nachbardorf zu siegen,

beginnen dort Fetzen zu fliegen.

Da wird der Kampf im weiten Runde

zum Lehrstück für die Völkerkunde.

 

Denn wo es sonst um Punkte geht,

noch Vieles mehr zu Buche steht:

Im Ried geht man ganz ohne Schuhe

für den Derbysieg bis nach Karlsruhe.

Denn unterliegen wir Steinmauern,

muss das Dorf für Tage trauern.

Zwischen dem Grämen und dem Schämen

ersäuft ganz Plittersdorf in Tränen

 

Doch wenn der „blaue Feind“ verliert,

wird’s ganze Ried schwarz-gelb geziert.

Dann werden, wie an Feiertagen,

Spieler durch das Dorf getragen,

Torschützen in Gold gegossen,

nur der beste Sekt genossen

und es singt die ganze Meute:

„So ein Tag, so schön wie heute!“

 

Weshalb ich nun von ganzem Herzen

dem FVS - ohne zu scherzen -

zum Jubelfeste gratuliere.

Und am Ende postuliere:

 

Ich wünsche Euch an dieser Stelle,

noch viele Nachbarschaftsduelle.

Bleibt uns so treu wie eh und je.

Doch bleibt auch hinterm FVP.

Die B-Jugend in der Saison 06/07 mit Tiemen Glatt (Erster von rechts, sitzend).

Teil 1: "Wir nannten sie Müller-Gerd"

Doreen Mumper

Anfang der 2000er Jahre etablierte sich beim FVS mit teils großem Erfolg eine aktive Frauen- und Mädchenmannschaft. Zum Start der neuen Serie 90 Jahre Fußballverein Steinmauern e. V. unterhielt sich die Redaktion mit Doreen Mumper (25), die von Anfang an dabei war.

 

fvsteinmauern.com: Hallo Doreen, Frauen haben ja immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen, wenn’s ums Kicken geht. Du kannst die Abseitsfalle aber erklären, oder?
Doreen Mumper: Darf ich dazu auch eine Tafel benutzen?

Wir haben leider gerade keine da…
Mh, dann muss ich erst mal überlegen. Puh, wie war das doch gleich… Oh Gott, oh Gott, alles vergessen…

… oh, oh! Stimmen die Vorur…
Jetzt hab ich’s! Abseits ist…

… wenn der Schiri pfeift…
… ja, das auch. Aber: Eine Abseitsposition liegt dann vor, wenn der Spieler, der den Ball erhält, im Moment der Ballabgabe dem gegnerischen Tor näher ist, als der vorletzte Spieler der gegnerischen Mannschaft. Und nur, wenn er sich dabei schon in der gegnerischen Hälfte befindet.


Viel besser hätte das unser Schiedsrichter Lukas Zielbauer wohl auch nicht erklären können. Wir werden ihn demnächst fragen. Jetzt zu dir: Als es mit den Mädels beim FVS losging, warst du gleich dabei. Wie kam’s dazu?
Eigentlich wollte ich erst gar nicht. Die Idee entstand ja im Kreis der Griesbichhexen, soweit ich weiß. Die haben für das Sportfest einen Gegner gesucht, und irgendwie entstand in der Folge auch eine Mannschaft, in der die „Griesbichhexen-Kinder“ zum Zug kamen. Mich haben die Walter-Schwestern gefragt, ob ich mitmachen wolle. Da hab ich erst geantwortet: Nö!

Was ist dann passiert?
Letztlich bin ich doch mal zu einem Training mitgegangen. Warum, weiß ich auch nicht mehr so genau. So ging’s auf jeden Fall los.    

Du durftest gleich im Sturm ran, wo ja alle Kinder spielen wollen. Was hat dich dazu qualifiziert?
Ich hatte ein gutes Auge, stand meistens richtig. Das hat gut gepasst. Den „Riecher“, wie man so schönt sagt, hatte ich jedenfalls, einen guten Torschuss auch.

 

Und deine Schwächen?
Ich war richtig lauffaul. Die Trainer meinten, ich hätte den Radius eines Bierdeckels.

 

Wer waren denn deine Trainer beim FVS?
In einer Wintersaison hat uns Uwe Kleinschmidt trainiert, ansonsten war lange Zeit Antonio D’Oria unser Coach. Der hat auch mit uns angefangen und uns erstmal alles beigebracht; das war richtig gut. Nach Antonio kamen noch Florian Deuchler und Kevin Kühn.

 

Mit wem hast du so zusammengespielt?
Oh je, ich hoffe, ich vergesse jetzt niemanden. Auf die Schnelle fallen mir ein: Franzi von Hüllesheim, Isabel Yasmin, Nathalie Jung, Nathalie Strack, Katja, Mona und Lisa Walter, Sabrina Hatz, Sandra Ordner, Kathrin Weinmann.

Gab’s eine Spielerin, die besonders wichtig für euer Spiel war?
Wir hatten einige gute Spielerinnen, manche sind ja sogar noch aktiv. Zur damaligen Zeit war vor allem Kathrin Weinmann richtig stark. Wir nannten sie „Müller-Gerd“ – weil sie so viele Tore geschossen hat. Sie hat sich hinten den Ball geschnappt, und rannte dann manchmal im Alleingang nach vorne, auf Kleinfeld ging das noch.

 

Hattet ihr auch einen „Hassgegner“ – oder herrscht im Frauen- bzw. Mädchenfußball die pure Harmonie?

Oh, von Harmonie konnte in vielen Spielen keine Rede sein. Besonders die Derbys gegen Ottersdorf waren immer heiß umkämpft. Da herrschte ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis, das ist im Frauen- bzw. Mädchenfußball nicht immer so. Aber in diesen Spielen ging es immer hin und her, das sorgte neben der räumlichen Nähe für eine ziemliche Brisanz. Wir mochten uns nicht so sehr, um es mal freundlich zu formulieren.

 

Irgendwann hat sich euer Team dann aufgelöst. Was waren die Gründe?
Das hatte mit der Altersstruktur zu tun. Die älteren durften irgendwann nicht mehr mit den jüngeren Mädels spielen. Mangels Masse ließ sich halt kein Team mehr stellen. Schade eigentlich, wir waren eine tolle Truppe – und einmal sogar Meister.

 

War das dein schönster sportlicher Moment?
Auf jeden Fall! Gleichzeitig wurde die B-Jugend der Jungs Meister. Wir fuhren im Traktor zusammen durch Steinmauern und durch die ganzen Nachbardörfer. Wirklich eine sehr schöne Aktion!

 

Wie ging’s für dich weiter, nachdem in Steinmauern das Fußballspiel für Mädchen eingestellt werden musste?
Mit ein paar anderen bin ich erst nach Elchesheim weitergezogen. Da gab’s aber schnell dasselbe Problem wie in Steinmauern, also bin ich zur DJK Au. Nach dem Abi 2009 am LWG hat mich das Studium nach Siegen gezogen, kurz davor hab‘ ich die Schuhe an den Nagel gehängt. Mittlerweile arbeite ich in Berlin.

 

Ein Schlusssatz noch zum FVS: Was wünschst du dem Verein für die Zukunft?
Eigentlich einen Kunstrasenplatz, aber der kommt ja bereits. Ansonsten hoffe ich, dass die „Erste“ in den nächsten Jahren wieder eine Meisterschaft feiern kann! 

Stehend von links: Miriam Richter, Regina Hobitz, Lisa Walter, Katja Walter, Sabrina Richter, Nathalie Jung, Trainer Antonio D'Oria. Sitzend von links: Mona Walter, Nina Graf, Katrin Weinmann, Kerstin Becker, Svenja Nold, Doreen Mumper.

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